Börse Express Sondernummer · Web-Ausgabe
Marktausblicke & Asset-Allokation
Neue Impulse für die Asset-Allokation
Nordische Wachstumschancen, regelbasierte Investmentansätze, europäische Qualitätsaktien und die geopolitische Bedeutung kritischer Rohstoffe: vier Perspektiven vom Bex-Media-Event in der Wiener Börse.

Der Nachmittag im Überblick
Vier Blickwinkel, eine Frage
Wie lässt sich ein Portfolio in einem Umfeld aus geopolitischen Spannungen, konzentrierten Aktienmärkten und raschen Trendwechseln sinnvoll breiter aufstellen? Die Halbtagesveranstaltung verband aktuelle Marktausblicke mit konkreten Ansätzen für die Asset-Allokation.
Fachliche Impulse, kompakte Vorträge und persönlicher Austausch prägten den Nachmittag. Im Zentrum standen nordische Small Caps, quantitative Trendfolge, nachhaltige europäische Qualitätsaktien sowie Edelmetalle, Technologiemetalle und Seltene Erden.
Zur Originalausgabe
Marketinganzeige · Fondita Fund Management Company Ltd
Wachstumschancen für nordische Nebenwerte
Fredrik von Knorring, Deputy CEO bei der finnischen Fondita Fund Management Company Ltd., stellte die strukturellen Stärken der nordischen Volkswirtschaften, das Small- und Micro-Cap-Segment und Fonditas aktiven Investmentansatz in den Mittelpunkt.

„Nordische Nebenwerte bieten aus unserer Sicht wieder attraktive Chancen.“
Fredrik von Knorring verband in seinem Vortrag makroökonomische Argumente mit dem konkreten Investmentansatz von Fondita. Ausgangspunkt war die These, dass die nordischen Länder trotz ihrer vergleichsweise kleinen Heimatmärkte über besonders starke strukturelle Voraussetzungen verfügen: hohe Innovationskraft, wettbewerbsfähige Unternehmen, stabile institutionelle Rahmenbedingungen und eine ausgeprägte Aktienkultur.
Die Region mit rund 27 Millionen Einwohnern und einer Wirtschaftsleistung von etwa 1,8 Billionen Euro zählt laut Präsentation zu den wohlhabendsten Wirtschaftsräumen Europas. Hohe Governance-Qualität, geringe Korruption und die starke Verankerung von ESG-Themen wurden ebenso hervorgehoben wie die Aktienbeteiligung privater Anleger und die Rolle der Pensionssysteme.
Besonders ausführlich behandelte von Knorring Nordic Small Caps. Das Segment umfasst laut Vortrag rund 1.000 Small- und Micro-Caps. Viele dieser Unternehmen arbeiten in attraktiven Nischen, sind international wettbewerbsfähig, eigentümergeprägt und durch solide Bilanzen sowie hohe Profitabilität gekennzeichnet. Kleinere Unternehmen konnten historisch häufig höhere Wachstumsraten als Large Caps erzielen und zusätzlich von Übernahmeaktivität profitieren. Nach einer schwächeren Phase erschienen die Bewertungen wieder attraktiver; für 2026 und 2027 wurde bei Small Caps stärkeres Gewinnwachstum als im Large-Cap-Bereich erwartet.
Als weitere Standortvorteile nannte der Vortrag konstruktive Konjunkturaussichten, insbesondere für Schweden, sowie den hohen Anteil erneuerbarer Energie in den nordischen Volkswirtschaften. Daraus können sich strukturelle Vorteile gegenüber Teilen Kontinentaleuropas ergeben.
Fondita wurde 1997 in Helsinki gegründet und verwaltet laut Präsentation rund 400 Millionen Euro. Das Haus verfolgt einen aktiven, konzentrierten Stock-Picking-Ansatz, bei dem Nachhaltigkeit ein fester Bestandteil des Investmentprozesses ist. Die beiden nordischen Small- und Micro-Cap-Strategien kamen zusammen auf rund 150 Millionen Euro. Die Portfolios umfassen im Schnitt 30 bis 40 Positionen und folgen einem disziplinierten Q-GARP-Ansatz. Als Investmenttreiber wurden Digitalisierung, Industrie-Technologie, Gesundheit, Infrastruktur sowie Defence & Security genannt.
Marketinganzeige · ARTS Asset Management GmbH
Das Ende der Megatrends?
Harald Fuchs, Head of Sales Austria bei ARTS Asset Management, stellte die Frage, ob starre Megatrend-Konzepte in volatilen Märkten noch überzeugen. Seine Antwort: datenbasierte Trendfolge, aktive Steuerung und konsequentes Risikomanagement.

„In volatilen Märkten sind Daten robuster als Überzeugung.“
Harald Fuchs stellte seinen Vortrag unter die Leitfrage, ob sich Anleger in einem von Unsicherheit, hoher Dynamik und raschen Marktwechseln geprägten Umfeld noch auf klassische Megatrend-Erzählungen verlassen sollten. ARTS setzt stattdessen auf quantitative Trendfolge, laufende Marktbeobachtung und aktives Risikomanagement. Daten sollen darüber entscheiden, welche Länder, Branchen und Assetklassen aktuell Stärke zeigen und investierbar sind.
ARTS Asset Management ist innerhalb der C-QUADRAT Gruppe auf technische trendfolgende Handelssysteme spezialisiert. Per 31. Dezember 2025 verwaltete das Unternehmen laut Vortrag rund 1,8 Milliarden Euro in 13 Fonds. Grundlage des Investmentprozesses ist eine eigens entwickelte Datenbank mit mehr als 10.000 Fonds und ETFs, aus der monatlich rund 3,5 Millionen Datensätze verarbeitet werden.
Wie stark sich Führungspositionen an den Kapitalmärkten innerhalb weniger Monate verändern können, zeigte Fuchs anhand der Länder- und Branchenrotation. Per 23. März 2026 lag die CQ ARTS Momentum Strategie seit Jahresbeginn laut Präsentation bei plus 5,11 Prozent und damit vor mehreren gezeigten Länderindizes. Bei den Branchen lag Energie im selben Zeitraum deutlich vorne, während Finanzen, Gesundheit und Technologie im negativen Bereich notierten. Die Kernaussage: Marktführerschaft ist nicht statisch und muss laufend neu identifiziert werden.
Im zweiten Teil standen konkrete Fondslösungen im Mittelpunkt. Für den C-QUADRAT ARTS Best Momentum wurde per 27. Februar 2026 im betrachteten Zeitraum eine Wertentwicklung von 22,01 Prozent ausgewiesen; der MSCI World kam im selben Vergleich auf 7,78 Prozent. Beim C-QUADRAT ARTS Total Return Global AMI zeigte die Präsentation seit 27. März 2003 eine Gesamtperformance von 259,39 Prozent bei einer Volatilität von 8,07 Prozent. Historische Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.
Neben Rendite ging es ausdrücklich um Risikosteuerung. Laut gezeigter Modellrechnung senkte eine Beimischung von 25 Prozent ARTS Global AMI zu 75 Prozent Aktien das Risiko um 23 Prozent; bei einer 50:50-Mischung waren es 42 Prozent. Der Vortrag zeichnete damit das Bild eines Ansatzes, der weniger auf Schlagworte als auf Disziplin, Flexibilität und konsequente Trendanalyse setzt.
Marketinganzeige · terrAssisi Investmentfonds
Diversifikation mit Verantwortung
Marc Zoll, Experte für nachhaltige Geldanlagen bei terrAssisi Investmentfonds, präsentierte den neuen Fonds terrAssisi Aktien Europa als europäische Antwort auf die hohe Konzentration an den globalen Aktienmärkten.

„Diversifikation, Qualität und Verantwortung gehören für uns in Europa zusammen.“
Im Zentrum des Vortrags stand die Frage, wie stark sich die Aktienmärkte zuletzt auf wenige Segmente verengt haben. Die Präsentation zeigte eine historisch niedrige Marktbreite in den USA und Europa. Die zehn größten US-Aktien vereinten laut Unterlage 39 Prozent des US-Marktes, der Technologiesektor stand für 35 Prozent und US-Titel machten rund 72 Prozent des globalen Aktienmarktes aus. Auch in Europa war die Entwicklung 2025 stark konzentriert, insbesondere auf Banken sowie Aerospace & Defense.
Marc Zoll leitete daraus die Notwendigkeit ab, Klumpenrisiken bewusster zu begrenzen und europäische Aktien wieder stärker als eigenständigen Portfoliobaustein zu betrachten. Europa ergänzt globale Aktienportfolios um Sektoren wie Industrie, Finanzwerte und Luxusgüter und bietet aus Sicht von terrAssisi zahlreiche Unternehmen mit globaler Marktstellung auf attraktiveren Bewertungsniveaus.
Im Fokus stehen Geschäftsmodelle mit strukturellem Gewinnwachstum, hoher Gewinnkontinuität, soliden Bilanzen und starkem Free Cashflow. Hinzu kommt ein Dividendenansatz mit mindestens zehn Jahren Dividendenkontinuität, moderater Ausschüttungsquote und geringer Verschuldung. Per 31. Januar 2026 waren laut Vortrag vor allem Industrials, Financials und Information Technology übergewichtet, während Health Care, Energy und Materials niedriger gewichtet waren.
Der Ansatz wurde in einen größeren wirtschaftlichen Rahmen eingeordnet: Europa müsse im Zuge einer globalen Zeitenwende bei Infrastruktur, Digitalisierung, Energie, Industrie und Finanzierung eigenständiger werden. Davon könnten Unternehmen profitieren, die Modernisierung, Produktivität und technologische Souveränität unterstützen. Rüstungsunternehmen bleiben im terrAssisi Aktien Europa aufgrund der Nachhaltigkeitskriterien ausgeschlossen.
Kapitalanlage und franziskanisches Werteverständnis werden dabei miteinander verbunden. Rendite und Verantwortung gelten nicht als Gegensatz, sondern als Teile desselben Ansatzes. Der Fonds terrAssisi Aktien Europa startete am 2. Februar 2026 und wies per 28. Februar laut Präsentation ein Volumen von 43 Millionen Euro auf. Er ist als UCITS-4-Fonds nach deutschem Recht aufgelegt.
Marketinganzeige · Golden Gates Edelmetalle AG
Technologiemetalle und Seltene Erden
Helmut Horeth und Thomas Cimbal von der Golden Gates Edelmetalle AG beleuchteten den weltweiten Wettbewerb um kritische Rohstoffe, die strategische Rolle von Gold und Silber und mögliche Folgen von Angebotsengpässen und staatlichen Eingriffen.

„Silber wird zum strategischen Rohstoff.“
Im Mittelpunkt stand die wachsende geopolitische Bedeutung von Rohstoffen. Der globale Wettbewerb dreht sich längst nicht mehr nur um Energie, sondern zunehmend um Metalle für Industrie, Mobilität, Medizin, Digitalisierung und Verteidigung. Besonders hervorgehoben wurde China, das seine Marktstellung bei Seltenen Erden und strategischen Metallen über Exportkontrollen, Lizenzauflagen und staatliche Regulierung ausbaut.
Laut Präsentation ist seit dem 10. April 2025 der Export mehrerer Seltener Erden aus China nur noch mit offiziellen Lizenzen möglich, darunter Dysprosium, Terbium, Samarium, Scandium, Lutetium, Yttrium und Gadolinium. Versorgungssicherheit bei kritischen Rohstoffen wird damit auch zu einer Frage wirtschaftlicher und politischer Souveränität.
Ein zweiter Schwerpunkt war Gold als strategischer Reserve- und Vertrauensanker. Die gezeigten Veränderungen der Zentralbankreserven seit 2020 verwiesen auf deutliche Goldkäufe, unter anderem in China, Polen, der Türkei und Indien. Gold erschien im Vortrag nicht nur als klassischer Krisenschutz, sondern als Ausdruck einer sich verändernden monetären Ordnung.
Silber wurde zugleich als Verbrauchs- und Anlagemetall beschrieben. Für 2025 entfielen laut gezeigter Aufteilung rund 59,0 Prozent der globalen Silbernachfrage auf industrielle Anwendungen, 17,8 Prozent auf Investments in Münzen und Barren sowie 17,1 Prozent auf Schmuck. Seine hohe Strom- und Wärmeleitfähigkeit sowie Einsatzmöglichkeiten in Solaranlagen, Elektronik, Medizintechnik und Elektromobilität machen Silber zu einem wichtigen Industriemetall.
Dem steigenden Bedarf steht ein begrenztes Angebot gegenüber. Laut Vortrag stammen große Teile der Bergbauförderung als Nebenprodukt aus Zink-, Blei-, Kupfer- und Goldminen. Die Referenten verwiesen zudem auf angespannte Lagerbestände und die wachsende Bedeutung physischer Reserven. Ihre Schlussfolgerung: Silber entwickelt sich zunehmend vom klassischen Edelmetall zum strategischen Rohstoff.
Wiener Börse · 26. März 2026
Impressionen
Vorträge, Diskussionen und persönliche Gespräche aus der Veranstaltung.
Fotos: Maria Kepinski
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